Sommerschule "Die baltische Aufklärung und ihr Erbe"

“Die Vernunft hat gesiegt und das Jahrhundert der Gerechtigkeit beginnt. Feuriges Gefühl von Menschenwürde und Menschenrecht ergreift alle, auch die rohesten Nationen!”  (Garlieb Merkel "Die Letten", 1797)

Am Ende des 18. Jahrhunderts war der baltische Publizist Garlieb Merkel vom Siegeszug der Aufklärung und der Vernunft überzeugt und glaubte am Beginn eines neuen, gerechteren  Zeitalters zu stehen. Tatsächlich lässt sich unsere heutige Zeit auf die Epoche der Aufklärung zurückführen;  öffentlicher Diskurs,  soziale Ordnung und demokratische Verfasstheit der Gesellschaft haben ihre Ursprünge in der Aufklärung. Zwar endete die Epoche der Aufklärung mit dem 18. Jahrhundert, aber die damaligen Umwälzungen sind bis heute sichtbar und die Ideen zeigen noch heute Wirkung. Dennoch ist in unseren Tagen, zwei Jahrhunderte später, von einer post-faktischen  Gesellschaft und von der Zersplitterung des öffentlichen Raumes die Rede. Über Begriffe wie Vernunft, Gerechtigkeit und Menschenwürde finden hitzige Debatten statt und die Existenz universeller Werte wird zur Diskussion gestellt.

Welche Welt haben die Humanisten des 18. Jahrhunderts  intendiert und wie viel davon besitzt bis heute Gültigkeit? Welche Medienpraktiken der Wissensvermittlung hat man für die Verbreitung und Verwirklichung der aufklärerischen Ideen gefunden und genutzt? Inwieweit unterscheiden sich unsere heutige Mediennutzung und Medientechnologie davon? Was hat die Zeit der Aufklärung uns noch Wertvolles zu sagen oder was ruft sie ins Gedächtnis?

Die Universitäten von Tartu, Riga, Potsdam und Bordeaux richten eine  internationale und interdisziplinäre Sommerschule aus, in der die Aufklärung und ihr Erbe zur Diskussion gestellt werden. Während zweier Wochen fokussieren wir speziell die Aufklärung in den baltischen Provinzen, und  diskutieren, welche Unterschiede die koloniale Situation im Vergleich zu den europäischen Aufklärungszentren hervorgebracht hat. Damit soll der Rahmen der europäischen Aufklärung entscheidend erweitert werden.

In interdisziplinärer Gesprächsatmosphäre untersuchen wir, wie die Ideen der Aufklärung  mittels verschiedener Medien wie Bildung, Literatur, Theater, Journalismus, politische Philosophie vermittelt und verwirklicht wurden, betrachten  aber auch den Einfluss der Aufklärung auf Museen, Sammlungen und auf Kultur und Landschaft näher. Neben Vorträgen und Seminaren bietet das Programm zudem zahlreiche  Workshops, in denen man seine Kompetenzen hinsichtlich Präsentation, Paläographie oder innovativer Digital Humanities erweitern kann. Da die Arbeitssprache der Sommerschule Deutsch ist, ist dies ebenfalls eine hervorragende Möglichkeit, seine deutschen Sprachkenntnisse anzuwenden und zu verbessern.

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